Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte/: „Vakuum“ von Lukas Jüliger

Wenn ich Comics aufzählen sollte, die meine Gefühlslage zwischen 14 und 19 Jahren beschreiben, Lukas Jüligers „Vakuum“ wäre unangefochten auf Platz 1 der Liste. Ob es wohl daran liegt, dass ich im selben Jahr wie er (1988) geboren bin?

"Vakuum" von Lukas Jüliger

Ich denke nicht, denn ich bin sicher, dass dieses Debüt aus dem Jahr 2012 (erschienen bei Reprodukt) Menschen unterschiedlichsten Alters berühren kann.

Worum geht`s?

Erzählt wird eine Liebesgeschichte zweier junger Menschen in einer ganz und gar langweiligen Kleinstadt. Was erst einmal klingen mag wie eine klassische Coming of Age-Geschichte ist in Wahrheit doch etwas mehr als das oder zumindest eine sehr originelle Variation davon. Das Ende der Schulzeit des Protagonisten ist absehbar, aber ebenso liegt das Ende der Welt in der Luft.

Die recht profillosen, wenn auch nicht bösen Erwachsenen, die ihn umgeben, merken davon in der Monotonie ihres Alltags nichts, doch die noch empfindlicheren Jugendlichen der Stadt spüren, dass sich etwas Schlimmes zusammenbraut. Im Laufe des Buches, während die Apokalypse näher kommt, zerbrechen einige der jungen Menschen daran.

In „Vakuum“ passen Form und Inhalt perfekt zusammen. Lukas Jüligers fast pastellig kolorierte Zeichnungen sind nicht nur extrem schön anzusehen, sondern verhelfen durch dicke, schwarze Rahmen und viele Schraffuren auch zu der düsteren Atmosphäre des Buches. Es gibt in dem Band durchaus verstörende und surreale Momente, die wunderbar als Metapher verstanden werden können, denn hier geht es um die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens; um die erste Liebe, Sexualität, Freundschaft, Abgrenzung von den Eltern und Verzweiflung.

Auf die Realität heruntergebrochen ist das Ende der Welt einfach das Ende der Kindheit und Schulzeit, denn gefühlsmäßig liegt beides ja gar nicht so weit voneinander entfernt.

Wie fühlt es sich an?

Grob gesagt: Genau so, wie es sich auch damals, mit 16, schon angefühlt hat und wie es sich auch heute noch manchmal anfühlt, dieses „Erwachsenwerden“: Die Geschichte ist dunkel und beunruhigend, ja, aber gleichzeitig steckt auch sehr viel Liebe und Freundschaft darin. Die Welt ist vielleicht dem Untergang geweiht, aber das heißt ja nicht, dass es keine Liebe mehr gibt.
Für mich die perfekte Comic-Begleitung zum Ende der Kindheit und zum Ende der Welt.

Ein Zitat:

Der namenlose Protagonist sagt ziemlich zum Ende des Buches, in Anbetracht der apokalyptischen Lage,  zu dem Mädchen, das er liebt:

„Es kann sein, dass gestern und heute die zwei schönsten Tage in meinem Leben waren“.

Traurig und schön!
Ein Comic für… Jeden, der mal jung war und sich daran noch erinnern kann.

Nichts für… Realitätsfanatiker, Monotonieliebhaber, durch und durch Erwachsene

  • Lukas Jüliger: Vakuum / 128 Seiten / SC / 20 EUR / erschienen bei Reprodukt

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