Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte Spezial – 50 Jahre Carlsen Comics/: Reingeschnuppert in „Valerian & Veronique“

Der erste der Carlsen-Jubiläumsklassiker, „Valerian & Veronique“ von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin stammt aus Frankreich. Die Science-Fiction-Serie erschien im Comicmagazin Pilote bereits ab 1967. Im Original heißt Veronique übrigens Laureline, was ich, obwohl ich ein großer Fan von Alliterationen bin, doch irgendwie schöner finde.

Two-in-One Jubiläumsband Valerian & Veronique von Carlsen Comics

Nach Deutschland kamen die Geschichten der Science-Fiction-Serie einige Jahre später über  das  ZACK-Magazin, bevor sie Carlsen dann ab 1978 in dem für aus Frankreich stammende Comics typischen Albenformat herausgebracht hat.

So viel zur Historie, aber…

Worum geht’s?

Valerian und Veronique arbeiten in einer nicht näher bestimmten Zukunft als Agenten für eine Organisation namens „Raum-Zeit-Service“, die von den ehemaligen Erdenmenschen ins Leben gerufen wurde. Der grundsätzliche Zweck der Organisation ist (zumindest mir) nicht ganz klar, aber ihre Missionen erfüllen Valerian und Veronique mithilfe des Raum-Zeit-Sprunges, der sie innerhalb weniger Augenblicke an unterschiedlichste Orte und Zeiten bringt.

Der Jubiläumsband enthält Band 3 und 4 der Serie, die beide 1979 erschienen.

In „Das Land ohne Sterne“ müssen die Helden den Planeten Ukbar IV retten, indem sie auf einem anderen Planeten einen Krieg beenden, denn aufgrund der Detonationen droht dieser Planet auf Ukbar IV zu stürzen. Was sich ihnen am Ort des Kriegsgeschehens präsentiert, ist ein komplett eskalierter Kampf der Geschlechter, den Valerian und Veronique getrennt voneinander und dennoch zusammen aufzulösen versuchen.

„Willkommen auf Alflolol“ beschäftigt sich mit einem ähnlich sozialkritischem Thema: Das Erdenvolk hat den Planeten Alflolol kolonialisiert und sieht sich mit der Rückkehr der ursprünglichen Bewohner des Planeten grenzenlos überfordert. Valerian und Veronique kämpfen jeder auf seine Weise um Völkerverständigung und für die Rechte der Ureinwohner.

Wie fühlt sich’s an?

Der erste Eindruck war: Hui, die 80er! Das ist mal ein echter Oldschool-Comic-Look mit teils leicht verwaschenen und teils extrem knalligen Farben, gelblichen Gesichtern… Das ist sehr ungewohnt, hat aber durchaus einen Retro-Charme.

Auch mit der Story von „Das Land ohne Sterne“ hatte ich etwas Anlaufschwierigkeiten: Valerian wirkte zunächst wie so ein typischer, leicht proletenhafter Superagent mit Alkoholproblem und Veronique kam mir anfangs völlig profillos vor. Beide entwickelten sich im Laufe der Geschichte zum Glück etwas weiter bzw. gewannen an Charakter. Das Thema, der Kampf zwischen Männern und Frauen, ist natürlich zeitlos, aber irgendwie fühlt sich die Art, wie damit umgegangen wird, auch ein bisschen angestaubt an. Ein Grund dafür ist sicher der etwas aus der Zeit gefallene Humor der Story, aber das kann man einer 50-jährigen Geschichte wohl kaum vorwerfen.

„Willkommen auf Alflolol“ gefiel mir dennoch ungleich besser, halten Christin und Mézières hier doch der westlichen Welt einen Spiegel vor: Der Planet Alflolol dient dem Erdenvolk als gigantische Fabrikanlage, in der jede Sekunde durchgetaktet ist und jedes Wesen nur zum Zwecke der Arbeit existiert. Gruselig, wie nah das der heutigen Realität stellenweise kommt und gerade deshalb hat mich diese Geschichte wirklich gepackt. Konfrontiert mit den zurückkehrenden ehemaligen Bewohnern des Planeten, gerät das ganze Gefüge durcheinander und Valerian und Veronique müssen zwischen den Völkern vermitteln. Besonders gefiel mir, dass Veronique ganz klar Stellung für die ursprüngliche Bevölkerung bezieht, sogar rebelliert und auf Valerians Unterstützung pfeift – starke weibliche Protagonistinnen sind für Comics dieser Zeit schließlich nicht gerade selbstverständlich. Da nehme ich auch gern in Kauf, dass Valerian mir mit seinen Konformismus auf die Nerven geht. Insgesamt konnte mich diese Geschichte wirklich überzeugen, denn sie ist witzig und berührend und vor allem eine kleine Aufforderung zur Arbeitsverweigerung, zur Rebellion und zum Spaßhaben.

Reingeschnuppert! Weiterlesen? Auf jeden Fall werde ich den Comic zum aktuellen Film  lesen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, die Serie noch weiterzuverfolgen.

  • Jean-Claude Mézières und Pierre Christin: Valerian & Veronique – Two-in-One / 96 Seiten / SC / 9,99 EUR / erschienen bei Carlsen

4 Kommentare zu „/Ans Eingemachte Spezial – 50 Jahre Carlsen Comics/: Reingeschnuppert in „Valerian & Veronique“

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