Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte/: „Paper Girls #1“ von Brian K. Vaughan und Cliff Chiang

Nachdem Stephen King ihn als Drehbuchautor für die Verfilmung von „Under the Dome“ auswählte und seine letzte Comicserie „Saga“ in drei aufeinander folgenden Jahren mehrere Eisner-Awards gewann, ist Brian K. Vaughan als Comicautor sicher kein Geheimtipp mehr. Zeit wurde es also, endlich mal eines seiner Werke zu lesen!

Paper Girls Band 1 von Image ComicsWie gut, dass mir dieses tolle Cover von Zeichner Cliff Chiang mit den vier unheimlich coolen Mädels aufgefallen ist.  Beim nächsten Besuch im Comicladen musste der erste Band von „Paper Girls“ also definitiv mit!

Worum geht’s?

Die Geschichte spielt in einem US-amerikanischen Vorort im Jahr 1988. Vier zwölfjährige Mädchen tragen im Morgengrauen Zeitungen aus, als sie plötzlich von seltsamen Kreaturen überfallen werden. Schnell müssen sie feststellen, dass etwas Großes vorgeht und ihre ganze Welt auf den Kopf stellt.

Es entwickelt sich ein spannender Mystery/Science Fiction-Plot, in dem die Papergirls versuchen, zu überleben und herauszufinden, was eigentlich gerade passiert und wem sie noch trauen können. Die Hauptfiguren werden dabei als zwar verletzliche und zum Teil etwas naive, aber durchweg selbstbewusste und starke Persönlichkeiten charakterisiert. Das zeigt sich nicht nur in ihren Worten und ihrem Handeln, auch optisch hat Cliff Chiang diese Stärke richtig gut eingefangen und lässt die Mädchen auch in schwachen Momenten niemals zu weich aussehen. Es wundert kaum, dass er zuvor Wonder Woman-Zeichner war. Weibliche Heldinnen scheinen ihm zu liegen.

Außerdem geben Story und Zeichnungen ein authentisches Bild der Zeit ab: Die Protagonistinnen verständigen sich etwa mit Walkie-Talkies (statt mit Handys), sie bringen für das heutige Verständnis politisch absolut nicht korrekte Sprüche über Randgruppen, immer mal wieder tauchen kleine Anspielungen auf die Popkultur (Poster, Kleidung etc.) auf und an einer Stelle hat sogar Ronald Reagan einen „Gastauftritt“.

Wie fühlt es sich an?

Mein erster Eindruck, als ich den Comic aufgeschlagen habe: Wow, das ist das schönste morgendliche Violett, das ich je gezeichnet gesehen habe! Außergewöhnlich auch, wie sich der Himmel im Laufe der Geschichte immer wieder verändert und zum Teil Handlungsort wird.

Das ganze Setting und der Retro-Charme machen die Welt, in der die Mädchen leben, sehr greifbar und geradezu heimisch. Dass diese Atmosphäre von Sci-Fi-Elementen durchbrochen wird, bildet einen großartigen Kontrast und trägt wesentlich zur Entwicklung der Spannung bei.

Das Besondere an „Papergirls“ sind für mich außerdem kleine Details, die nebenbei eingestreut werden und mein Interesse wecken: So erfährt man, dass früher ausschließlich Jungs Zeitungen ausgetragen haben, aber (noch) nicht, warum sich das geändert hat. Erin hat richtig schräge Träume, aber es wird (noch) nicht geklärt, was sie bedeuten. Und was hat eigentlich ein großes amerikanisches Technologieunternehmen mit der ganzen Geschichte zu tun?

Also: „Paper Girls #1“ sieht gut aus, ist spannend, die Figuren überzeugen und das Setting ist authentisch. Her mit dem zweiten Band!

Ein Comic für… Sci Fi-Leser, Kinder der ’80er, Frauen! (und Männer 😉 )

Nichts für… Chauvinisten, Herzschmerz-Fans

Brian K. Vaughan und Cliff Chiang: Paper Girls #1 / 144 Seiten / SC / 9,99 $ (22 EUR) / erschienen bei Image Comics (Deutsch bei Cross Cult)

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