Äpfel mit Birnen - Der hinkende Vergleich

/Äpfel mit Birnen/: „Valerian“ Comic vs. Film

1967 erschien die erste Geschichte um den Agenten des Zeit-Raum-Services Valerian und seine Partnerin im französischen Comicmagazin Pilote. Ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis „Valerian“ endlich eine eigene Verfilmung erhalten hat. Wird diese nun der Comicvorlage gerecht?  Das versucht der hinkende Vergleich zu klären.

Valerian Die Vorlage zum Kinofilm vom Carlsen Verlag

Die Story

„Valerian – Das Buch zum Film“ enthält zwei Alben:

Das erste, „Im Reich der tausend Planeten“ landen Valerian und Laureline (Carlsen hat den Namen von Valerians Partnerin in dieser Ausgabe dem Film/dem Original angepasst) auf dem Planeten Syrtis. Dort herrscht ein dümmlicher Prinz, der allerdings von einer Gruppe „Kundiger“ (Wahrsager) geleitet wird, die die Bewohner des Planeten in Angst und Schrecken versetzen und unterdrücken. Die beiden Agenten geraten ins Visier der „Kundigen“ und versuchen, ihnen und Syrtis zu entkommen und das unterdrückte Volk zu befreien.

In „Botschafter der Schatten“ haben die Erdenmenschen zum ersten Mal den Vorsitz im Rat von Central City, einem Planetenkonstrukt, das von Bewohnern tausend verschiedener Planeten bevölkert wird. Valerian und Laureline begleiten als Leibwache den Botschafter der Erde zur ersten Tagung in Central City, finden aber vor Ort ein riesiges Chaos vor. Valerian und der Botschafter sind plötzlich verschwunden und Laureline muss sie im Wirrwarr Central Citys suchen und nebenbei das letzte Exemplar der Spezies Grunztier-Transmutator beschützen.

Obwohl der Untertitel des Films „Die Stadt der tausend Planeten“ an Band 1 des Comics angelehnt ist, basiert er zum Großteil auf Band 2 des Comics. Das wertvolle Wesen (das im Film weniger albern nur noch Transmutator heißt), muss allerdings erst gefunden werden und statt eines Botschafters sollen die beiden Agenten einen Commander zu einem wichtigen Treffen im Sicherheitsrat begleiten. Dieses Treffen, bei dem es um eine radioaktive Zone in der Stadt geht, wird jedoch gestürmt und der Commander entführt. Auch Laureline geht verschütt und Valerian versucht, geleitet von Visionen, Laureline und den Commander zu retten und die Sicherheit des Planeten wiederherzustellen.

Die Figuren

In beiden Comicbänden ist es Laureline, die ihrem Kollegen Valerian durch Tücke und Einfühlungsvermögen aus der Patsche hilft und so zum Gelingen der Missionen beiträgt. Im Film gibt sie sich zwar kratzbürstig und cool, fällt aber vor allem dadurch auf, dass sie unentwegt verzweifelt und hilflos „Valerian!“ ruft.

Valerian selbst ist im Comic wie im Film ein sehr gehorsamer Agent, der von seiner Partnerin manchmal zum eigenen Denken gezwungen werden muss, sich aber selbstverständlich immer korrekt verhält – ein echter Held eben. Allerdings macht der Film aus ihm zusätzlich einen Frauenhelden, der nicht nur jede haben kann, sondern auch jede haben will.

Das macht Laureline eifersüchtig und gefährdet ihre Beziehung. Überhaupt steht die Liebesbeziehung der beiden im Film deutlich im Mittelpunkt; sogar von Hochzeit ist mehr als einmal die Rede. Fraglich, ob das nun wirklich die Geschichte weiterbringt.

Die Comics haben Themen wie Völkerverständigung, menschliche Verfehlungen und diplomatische Missverständnisse, suchen aber nicht den einen Schuldigen, sondern zeichnen die Situation mit mehr Grautönen. Das ist im Film etwas anders; hier gibt es einen Bösewicht, auf den alles Übel zurückzuführen ist.

Die Optik

Ich hatte es ja schon in der Rezension des Two-in-One-Jubiläumsbandes erwähnt: Die 80er-Jahre-Optik der Comics mit ihrer etwas veraltet anmutenden Farbgebung ist für mich gewöhnungsbedürftig, wenn auch durchaus nicht schlecht. Gewöhnt habe ich mich daran außerdem schnell, denn die zeitlosen Themen der Comics lenken sowieso meine Aufmerksamkeit auf sich.

Der Film wiederum sieht so bombastisch aus, wie man es von einer Sci-Fi-Comicverfilmung im Jahre 2017 erwarten darf. Er ist voller Spezialeffekte, zeigt bunte, fantasievolle Welten und Figuren und atemberaubende Bilder vom großen, weiten All.

Valerian und Laureline wirken im Film deutlich jünger als ich sie in den Comics eingeschätzt hätte. Cara Delevingne ist zwar Mitte 20, könnte aber auch als gerade so volljährig durchgehen und Dane DeHaan sieht, obwohl 31, doch ebenso jugendlich aus – umso erstaunlicher, dass man Valerian im Film die oben beschriebene Wirkung auf Frauen zugesteht. Ich finde das nicht direkt „schlimm“, aber doch auffällig.

Wie fühlt sich’s an?

Einen fetten Pluspunkt hat der Film gleich in der ersten Szene gewonnen, die Bilder aus dem Weltraum zeigt und mit DEM Astronauten-Song schlechthin, David Bowies „Space Oddity“, unterlegt ist. Wie schon erwähnt ist der Film auch optisch äußerst ansprechend, erinnert ein bisschen an Blockbuster wie „Avatar“. Er bietet definitiv auch gute Unterhaltung und eine spannende Geschichte. Leider folgt jetzt das fette ABER: Laurelines „Weibchen“-Gehabe ging mir zwischendrin wirklich auf den Keks. Auch dieses ganze Liebesdrama zwischen Valerian und Laureline war meiner Meinung nach überflüssig und eher nervtötend als emotional ansprechend.

Obwohl die Comics einige Jahrzehnte älter sind (und definitiv auch so aussehen!), wirkt zumindest das Frauenbild teilweise fortschrittlicher als im Film. Die Konflikte im Comic folgen nicht ausschließlich einem Schwarz/Weiß-Muster, sondern sind (wie im echten Leben?) eben etwas komplizierter als das. Ich gebe zu, dass mich die vielen verschiedenen Völker in „Botschafter der Schatten“ etwas verwirrt haben, aber insgesamt kann ich mit weniger einfachen Lösungen mehr anfangen als mit der Erklärung: „Wir gut. Die böse.“

Kann ich den Film also nun empfehlen oder nicht? Ach, es ist schwierig. Wenn man eine solide Sci-Fi-Unterhaltung sucht, macht man mit „Valerian“ sicher nichts falsch. Er sieht schön aus und macht Spaß. Nur zu viel nachdenken sollte man dabei vielleicht lieber nicht. Und am besten auch nicht den Comic vorher lesen.

  • Pierre Christin und Jean-Claude Mézière: Valerian / 96 Seiten / SC / 9,99 EUR / erschienen bei Carlsen
  • Luc Besson (Regie/Drehbuch/Produktion): Valerian – Die Stadt der tausend Planeten / 138 min

3 Kommentare zu „/Äpfel mit Birnen/: „Valerian“ Comic vs. Film

  1. Schöner Artikel, liebe Inga. Ich mag die Zeichnungen der franko-belgischen Klassiker ja total gerne, kann aber gut verstehen, wenn sie zunächst ungewohnt sind.

    Ich habe Tag für Tag weniger Lust mir den Film anzuschauen, obwohl ich Luc Bessons Kunst eigentlich sehr schätze. „Das fünfte Element“ ist für mich einer der besten Sci-Fi-Filme und auch sonst hat er mich nicht enttäuscht. Ich fürchte, ich werde tatsächlich auf die Blu-ray warten …

    LG,
    Sandra 🙂

    Gefällt mir

    1. Oh, vielen Dank!
      Ich kann verstehen, wenn Du lieber auf die BluRay wartest, allerdings wirken solche Filme auf der großen Leinwand natürlich schon toll. Aber ein „Muss“ ist dieser Film sicher nicht.
      „Das fünfte Element“ habe ich nie gesehen, aber ich habe das Gefühl, dass ich das dringend nachholen sollte! 😁

      Gefällt 1 Person

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