Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte/: „Die Einladung“ von Jim und Dominique Mermoux

Wenn man fünf Jahre lang um eine Graphic Novel herumschleicht, sie im Laden immer wieder in die Hand nimmt und dann doch nicht kauft, beginnt man irgendwann, sich seine eigene Geschichte zum Thema vorzustellen. So ging’s mir jedenfalls mit „Die Einladung“. Die echte Geschichte von Jim war aber natürlich doch sehr anders…

Jim & Mermoux Die Einladung von Splitter

Worum geht’s?

Raphael wird von seinem Freund Leo mitten in der Nacht angerufen und um Hilfe bei einer Autopanne gebeten.

Das ist die Ausgangslage, die die Basis für eine (zumindest für mich) unerwartete Geschichte um Freundschaft, Vertrauen, Verlässlichkeit, aber auch Konkurrenzdenken und Veränderungen von zwischenmenschlichen Beziehungen bildet.

Ohne zu viel von der Handlung vorwegzunehmen: Leo ist bei Weitem nicht so hilflos, wie es auf den ersten Blick scheint und Raphael ist nicht der Einzige, den er aus dem Schlaf geklingelt hat. Außerdem legt Leo im Umgang mit seinen Freunden eine provokante, teils überhebliche Art an den Tag, die kaum auszuhalten ist. Im Laufe des Buches erfährt man aber mehr über die Entwicklung der Freundschaft zwischen Leo und Raphael sowie über Leos wahre Probleme.

Wie fühlt sich’s an?

In der ersten Hälfte des Buches fühlte ich vor allem eins: Wut. Ich hätte das Buch beinah abgebrochen, so genervt war ich zuerst von Raphaels Unwillen, Leo zu helfen, dann von Leos arrogantem Umgang mit seinem Freund sowie dem Konkurrenzgehabe zwischen den beiden.

Zum Glück klärt sich im Laufe der Geschichte auf,  warum hier wer so handelt und vor allem, was das wirklich Wichtige an einer Freundschaft ist. (Überraschung: Füreinander da zu sein, wenn es WIRKLICH wichtig ist, ist der Schlüssel!)

Nach dem Lesen des Buches habe ich in einem Beitrag auf micomics.de  gelesen, dass „Die Einladung“ offenbar zunächst als Theaterstück geplant war. Das kann ich mir gut vorstellen; kommt es doch mit relativ wenigen sprechenden Figuren und Handlungsorten aus. Tatsächlich hatte ich zu Beginn sogar die Erwartung, dass es sich um eine Art Kammerspiel (nur eben auf der weit abgelegenen Landstraße) handelt und Leo und Raphael die einzigen Personen sind.

Beim Lesen war ich aber dennoch eher an einen Kurzfilm erinnert, weil die Panels sehr abwechslungsreiche, filmische Perspektiven bieten und einen schönen Sog entwickeln.

Die Zeichnungen und Farben von Dominique Mermoux passen außerdem gut zur Geschichte. Ich kann nicht sagen, dass sie mich jetzt stilistisch übermäßig begeistern, aber das ist bestimmt Geschmackssache. (Vielleicht liegt es daran, dass ich keine besondere Vorliebe für Frankreich habe, Setting und Figuren aber relativ deutlich dort verortet sind.) Wie auch immer: Gelungen sind die Bilder in jedem Fall.

Insgesamt ist „Die Einladung“ also eine spannende Geschichte zu einem zeitlos wichtigen Thema, deren Figuren einen wie echte Menschen das ein oder andere Mal richtig aufregen können, aber dennoch am Ende den richtigen Weg finden.

Ein Comic für… Freunde, bei denen es kriselt; Lesern, die leise Comics mögen; an emotionalen Bindungen interessierte Menschen

Nichts für… Krimifans, Liebhaber ausschließlich spannungsgeladener und plotgetriebener Bücher, Arroganz-Allergiker

Jim (alias Téhy) und Dominique Mermoux: Die Einladung / 156 Seiten / HC / 22,80 EUR / erschienen bei Splitter

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