Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte Spezial, 50 Jahre Carlsen Comics/: Reingeschnuppert in „Yoko Tsuno“

Auf den ersten Blick reiht sich „Yoko Tsuno“ perfekt in das Jubiläumsprogramm von Carlsen Comics ein. Ein frankobelgischer Klassiker mit Sci-Fi-Elementen, der zunächst im Magazin Spirou veröffentlicht wurde. Doch „Yoko Tsuno“ ist gleichzeitig erfrischend anders und auf den zweiten Blick gar nicht so klassisch.

Two-in-One Jubiläumsband Yoko Tsuno von Carlsen Comics

Worum geht’s?

Ist mir beim Two-in-One-Band Spirou+Fantasio noch das Fehlen weiblicher Figuren aufgefallen (und aufgestoßen), so wurde ich mit Roger Leloups „Yoko Tsuno“ mehr als entschädigt. Die titelgebende Protagonistin hier ist eine japanische Elektronik-Expertin, die nicht nur sehr schlau (und ja, auch hübsch) ist, sondern auch noch verschiedene Kampfsportarten beherrscht. Wow! Dass eine solche Figur aus den 1970ern stammt, ist wirklich erstaunlich!

Der Jubiläumsband enthält mit den 1982 als Band 1 und 2  der Serie veröffentlichten Geschichten „Unterirdische Begegnung“ und „Die Orgel des Teufels“ zwei sehr unterschiedliche Abenteuer von Yoko Tsuno.

In „Unterirdische Begegnung“ lernt Yoko bei einem Auftrag in einem verlassenen Labor die beiden Fernseh-Mitarbeiter Vic und Knut kennen. Da sie es als asiatische Elektronikern schwer hat, eine Anstellung zu finden, nimmt sie das Angebot der beiden an, an einer Dokumentation über Höhlenforschung mitzuarbeiten. Dabei treffen sie auf ein Volk von einem anderen Planeten, das von einem riesigen Computer fremdbestimmt wird und versuchen, es von der digitalen Intelligenz zu befreien.

In „Die Orgel des Teufels“ sind Yoko, Knut und Vic auf einem Schiff, weil sie einen Film über Rheinische Sagen wie die Loreley drehen sollen. Sie werden auf die traurige Organistin Ingrid aufmerksam, die kürzlich ihren Vater verloren hat und gehen sofort der Frage auf den Grund, ob es sich hier um Selbstmord oder Mord gehandelt hat. So geraten sie in ein Abenteuer rund um die Legende von der Teufelsorgel auf der Burg Katz.

Wie fühlt sich’s an?

Ich hab’s ja schon vorweg genommen: Ich finde Yoko Tsuno als Heldin super! Sie ist intelligent, lässig, stark und trotzdem menschlich. Vic und Knut sind zwar sehr typisch geraten – der eine schön und schlau, der andere eher niedlich und tollpatschig- aber tragen dennoch beide immer zum Gelingen der Missionen bei.

Der Stil hat mich erst ein bisschen verwirrt, denn die Hintergründe schreien „klassischer Abenteuercomic!“, während die Figuren doch sehr „funny“ aussehen. Irgendwo habe ich mal gehört, dass sich das im Laufe der Serie verändern soll, aber eigentlich fand ich die Mischung sogar sehr charmant. Auch, weil sich „Yoko Tsuno“ damit so schön als Bindeglied zwischen „Valerian & Veronique“ und „Spirou+Fantasio“ in die Jubiläumsreihe einfügt.

Aber zurück zum Inhalt: Das Thema des ersten Bandes, wie Computer die Menschheit beeinflussen und abhängig machen, könnte nicht aktueller sein und sollte wohl uns alle, die wir uns täglich von Computern abhängig machen, ansprechen.

Der zweite Band ist zwar eher eine Kriminalgeschichte als ein Science Fiction-Abenteuer, aber auch diese Verwicklung in angebliche (?) Legenden ist an keiner Stelle langweilig. Übrigens: Wie ich hier gelesen habe, gibt es die Burg Katz in Sankt Goarshausen wirklich und sie ist seit 1989 in japanischem Besitz! Soll das etwa Zufall sein? Ich sollte echt mal Urlaub in der Gegend machen – auch, weil mir das Setting am Rhein mit den Sagen, Fachwerkhäusern und alten Burgen echt gefällt.

Also: „Yoko Tsuno“ macht Spaß, regt zum Nachdenken an und bietet eine starke, aber nicht übermenschliche Heldin als Identifikationsfigur. Der Jubiläumsband enthält zwei spannende Geschichten, die (hoffentlich!) exemplarisch für die Bandbreite der Serie stehen.

Reingeschnuppert! Weiterlesen?

Den Themenband zu den deutschen Abenteuern werde ich ganz bestimmt noch lesen. Ist ja auch praktisch, dass das der Band 1 der Gesamtausgabe ist… 🙂

Roger Leloup: Yoko Tsuno – Two-in-One / 96 Seiten / SC / 9,99 EUR / erschienen bei Carlsen

3 Kommentare zu „/Ans Eingemachte Spezial, 50 Jahre Carlsen Comics/: Reingeschnuppert in „Yoko Tsuno“

  1. Wie schön, dass dir die starke Yoko Tsuno so gut gefallen hat. Sie ist überhaupt nicht „eingerostet“, findest du nicht auch?
    Der erste Band der Gesamtausgabe ist wirklich klasse und versammelt neben super Storys auch einen tollen Infoteil zur Serie. Viel Spaß damit und falls du dran bleibst, bin ich gespannt, wie dir die weiteren Abenteuer gefallen.

    LG,
    Sandra

    Gefällt 1 Person

    1. Ganz genau! Sowohl die Themen als auch Yoko selbst wirken total modern! Ich hab hier zwar noch einen Stapel anderer Comics, die gelesen werden wollen, aber bei „Yoko Tsuno“ bleibe ich ganz sicher dran! 🙂

      Kannst Du mir denn etwas dazu sagen, ob sich der Zeichenstil der Figuren wirklich noch ändert im Laufe der Serie?

      Gefällt 1 Person

      1. Das habe ich so genau noch gar nicht beobachtet. Schon in der ersten Gesamtausgabe sind ja Alben aus verschiedenen Zeiten enthalten, da die GA ja nicht chronologisch zusammenfasst, sondern skurriler Weise länderspezifisch. Ich habe auch noch lange nicht alle Yoko Tsuno-Abenteuer gelesen. Lassen wir uns also überraschen 😀

        LG,
        Sandra

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s