Allgemein · Nähkästchen (Interviews und Veranstaltungen)

/Nähkästchen/: Reinhard Kleist präsentiert „Nick Cave“ auf dem ilb

Am 07. September 2017 präsentierte Reinhard Kleist im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin seine Comicbiografie über Nick Cave. Im Interview mit Jens Balzer sprach er über seine Arbeit an dem Buch und seine Treffen mit Nick Cave. Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier ein kleiner Bericht.

Vorgeschichte: Die Tücken des ilb-Ticketverkaufs

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Vielleicht ist das Frevel, aber ich war noch nie auf einer Veranstaltung des ilb. Demzufolge wusste ich nicht, wie das da mit dem Ticketkauf funktioniert. Schlecht vorbereitet wie immer stolperte ich also, nachdem ich am Einlass der Buchvorstellung ohne Ticket nicht weiterkam, fünf Minuten vor Veranstaltungsbeginn in den Knäuel an Menschen, die sich für drei verschiedene Veranstaltungen um ein und denselben Schalter drängten.

Vor dem wiederum stand eine Mitarbeiterin und versuchte mit den Rufen „Wer hat eine Wartenummer? Wer will zum Poetry Slam? Wer will zu Herrn Specht?“ Ordnung in die Situation zu bringen. Nachfragen aus dem Gedränge à la „Was ist mit der Veranstaltung von Reinhard Kleist? Ist die schon ausverkauft? Brauchen wir eine Wartenummer?“ wurden zunächst gepflegt ignoriert und ich etwas ungeduldig.

Irgendwann fiel der Dame dann selbst auf, dass der „Herr Specht“ eigentlich Reinhard Kleist heißt – dann war der Knoten geplatzt und ich hatte einige Minuten später das Ticket, sodass ich zum Glück nur sehr wenig vom Eröffnungsgespräch verpasst habe.

Das Gespräch: Warum die Biografie nicht in den Goldenen Zwanzigern spielt und warum mein kleines Fanherz doppelt höher schlug

Im ersten Teil der Veranstaltung interviewte der Journalist Jens Balzer (Berliner Zeitung, Tagesspiegel, DIE ZEIT) Reinhard Kleist zu dem neuen Buch (erschienen bei Carlsen) und Nick Cave als Person. Unter Musikredakteuren ist Cave offenbar als ein äußerst schwieriger Gesprächspartner bekannt. Es lag also die Frage nahe, wie es eigentlich für Kleist war, dem Musiker sein Projekt persönlich vorzustellen – seine Antwort „Also, zu MIR war er sehr charmant“ sorgte dann doch für einiges Gekicher im Publikum. Nick Cave sei jedenfalls von Anfang an sehr aufgeschlossen für das Projekt gewesen, weil er sowieso ein Comic-Fan ist und auch Reinhard Kleist durch seine Biografie von Johnny Cash schon kannte.

Titelbild

Die Biografie ist in fünf Kapitel unterteilt, die alle nach Cave-Songs benannt sind und teils wahre Begebenheiten schildern, teils assoziativ auf musikalischen/literarischen Arbeiten Nick Caves beruhen. Das Gespräch hangelte sich an den Kapiteln entlang. Es wurden einige Seiten daraus gezeigt und die entsprechenden Stücke angespielt, um das Publikum in die richtige Stimmung zu versetzen.

Mir erscheint diese Art von Biografie erstmal ungewöhnlich, aber Reinhard Kleist klärte im Interview auf, warum er sich dafür entschieden hat: Da die Biografie von Johnny Cash schon chronologisch erzählt sei, hätte er sich schlicht nicht wiederholen wollen. Außerdem sei sein Ziel gewesen, sich dieses Mal über das Werk an den Künstler anzunähern – daher die Kapitelüberschriften und die Romanbezüge.

Kleist erzählte auch von der ersten Idee zum Buch: Alle Figuren sollten im Berlin der 1920er Jahre auftreten und so Caves Leben in einem völlig anderen Szenario spielen. Bei einem Telefonat hätte er Nick Cave diesen Einfall mit großer Begeisterung unterbreitet und ausschweifend erklärt. Im Nachhinein und für Außenstehende wie mich absolut amüsant, wie Nick Cave auf dieses Vorhaben reagierte: „Okay, and why would you do that?“ – Tja, das war’s dann mit der Begeisterung. Ich hab das Buch zwar noch nicht gelesen, aber ich bin sicher, dass es nicht geschadet hat. 😉

Wie so viele Musiker hat Nick Cave ja in den ’80ern mal eine Zeit lang in (West-) Berlin gelebt. Natürlich gibt es auch aus dieser Zeit Szenen im Comic. Mir wäre ja fast ein entzücktes Quietschen entfahren, als ein Panel an die Wand geworfen wurde, an dem die ganze Musikszene der Zeit im Publikum eines Nick Cave-Konzertes zu sehen war und ich den jungen Bela B. entdeckte. Was soll ich sagen? Ich mag Nick Caves Musik. Aber Die Ärzte und ich – das ist „diese eine Liebe, die nie zu Ende geht“. Ihr versteht.

Bela B

Fragen aus dem Publikum: Warum schwarz-weiß? Und warum nicht am Computer?

Nach dem Interview waren noch ein paar Minuten Zeit für Fragen aus dem Publikum. Reinhard Kleist erklärte, warum er den Nick Cave-Band in schwarz-weiß gezeichnet hat: Zum einen findet er, dass diese Art der Geschichte keine Farbe brauche, zum anderen sei das „auch eine ökonomische Frage“, denn: „Mit Farbe dauert’s viel länger und wird auch teurer. Sie können also froh sein, dass ich keine Farbe benutzt habe“ – alles klar, das leuchtet dann wohl jedem ein.

Außerdem haben wir erfahren, dass Kleist ausschließlich auf Papier arbeitet. Für „Nick Cave“ habe er extra raues Papier gekauft und mit kaputten Pinseln gearbeitet, damit er eine gröbere und zufälligere Optik hinbekommen könne. Außerdem sei der Vorteil an der Arbeit auf Papier, dass man am Ende Originale hat, die man verkaufen kann. Seine lockere, ehrliche und humorvolle Art bringt Reinhard Kleist auf jeden Fall Sympathiepunkte beim Publikum ein, so viel steht fest.

Danach: Signierstunde

Gott sei Dank hatte der Comicladen meines Vertrauens (Modern Graphics) einen Stand auf dem ilb. Natürlich musste ich das Buch dort direkt kaufen und mich in die Schlange am Signiertisch einreihen.
Mit diesem Ergebnis:

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Wie geht’s weiter?

Das war eine wirklich gelungene Veranstaltung: Viel Abwechslung, viele Informationen und ein Einblick in das Buch, der neugierig macht. Ich habe zwar ein bisschen Bedenken, dass ich nicht alle Referenzen verstehen werde (ich bin ja keine Cave-Expertin), aber freue mich trotzdem auf’s Lesen. Eine Rezension folgt dann selbstverständlich hier.

Alle, die noch mehr wissen wollen oder auch dringend eine Signatur in ihr Buch brauchen, dies sind seine nächsten Termine:

  1. September 2017 – Frankfurt/Main
  2. September 2017 – Hagen
  3. September 2017 – Berlin
  4. September 2017 – München
  5. September 2017 – Stuttgart
  6. September 2017 – Köln

Wann genau, wo genau, erfährt man hier!

3 Kommentare zu „/Nähkästchen/: Reinhard Kleist präsentiert „Nick Cave“ auf dem ilb

  1. Danke für den schönen Bericht, jetzt bin ich noch neugieriger auf die Veranstaltung hier in Hannover im November 😀 Ich muss zugeben, dass ich ein paar Stellen in deinem Text übersprungen habe, um mir den Spaß nicht zu nehmen.

    Einen klasse Sketch hast du da bekommen! Hast du dir auch das Artbook gegönnt?

    Liebe Grüße,
    Sandra

    Gefällt mir

    1. Ah ja, stimmt! Für Menschen wie Dich hätte ich wohl eine Spoiler-Warnung hinzufügen sollen. Aber überspringen geht natürlich auch.

      Das Art Book habe ich (noch) nicht, aber lasse mich vielleicht überzeugen, wenn Du Gutes zu berichten hast!?

      Ich freu mich auch sehr über die Signatur. 😊

      Dir schon mal ganz viel Spaß bei der Veranstaltung!!!

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, wenn denn mein Herzblatt mal endlich die Folie entfernen würde, könnte ich das Artbook auch mal lesen … Aber er weigert sich weiterhin. Und da es seins ist ziehe ich den Kürzeren 😀

        LG und danke,
        Sandra

        Gefällt mir

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