Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte/: „Maggy Garrisson #1: Lach doch mal, Maggy!“ von Lewis Trondheim und Stéphane Oiry

Von mehreren Seiten wurde mir Lewis Trondheims neue „Heldin“ Maggy Garrisson empfohlen. Diese unkonventionelle und motzige Engländerin, die sich leicht bocklos durchs Leben schlägt, müsse doch genau mein Ding sein. Hm, dann wollen wir doch mal sehen, ob diese Serie ein neuer Liebling wird.

Trondheim Maggy Garrisson 1

Worum geht’s?

Die arbeitslose Maggy Garrisson lebt in London und gerät über Bekannte an einen Job bei einem ziemlich abgeranzten und wenig erfolgreichen Londoner Privatdetektiv. Als dieser in seiner Detektei brutal zusammen geschlagen wird und im Krankenhaus landet, versucht Maggy durch das Lösen einiger läppischer Fälle (das Verschwinden eines Kanarienvogels z.B.) an das schnelle und einfache Geld zu kommen.

Dabei stolpert sie jedoch in einen Fall, in den der gesamte Londoner Untergrund verwickelt zu sein scheint, inklusive einer Polizistin, mit der sich Maggy kurz vorher angefreundet hat. Maggy versucht nun herauszufinden, was es mit der Sache auf sich hat und wem sie überhaupt trauen kann.

Wie fühlt sich’s an?

Fangen wir beim Untertitel des ersten Bandes an: „Lach doch mal, Maggy!“ – Argh, ich weiß genau, wie sich das anfühlt!! 100% Identifikationspotenzial also schon mal, bevor ich überhaupt mit dem Lesen angefangen habe. Allen, die auch am Resting-Bitch-Face leiden sei aber gesagt, dass das eigentlich nicht das Thema des Comics ist. Trotzdem: Einen ersten Eindruck von der Protagonistin bekommt man hier definitiv.

Was mir außerdem gefällt: Maggy ist keine typische Heldin. Sie ist nicht besonders stark, nicht besonders schön (jedenfalls nach gängigem Schönheitsstandard hierzulande) und auch sonst nicht mit außergewöhnlichen Talenten ausgestattet. Allerdings ist sie clever, cool und nicht auf den Mund gefallen – eine „normale“ selbstbewusste Frau also, die übrigens ein bisschen aussieht wie die unkonventionelle Cousine der Sängerin Adele.

Die Optik des Comics hingegen ist sehr klassisch: Stéphane Oiry hat sich für eine strenge 12-Panel-Struktur entschieden, die nur gelegentlich mal durch zwei oder drei zusammengelegte Panels durchbrochen wird. Die Zeichnungen sind in gedeckten Farben (viele Braun- und Blautöne) gehalten, was gut zum Krimi-Genre passt und die Stimmung im Buch unterstreicht. Beeindruckend fand ich, wie authentisch Oiry mit Licht und Schatten umgeht. Das zeigt sich ja schon am Cover, wird innen bei den vielen Nachtszenen, den schummrigen Pubs und dem englischen Regenwetter besonders deutlich.

Ansonsten ist der Band geprägt von recht statischen Szenen – etwa, wie Maggy sich eine Zigarette anzündet oder über mehrere Panels hinweg telefoniert. Dieses langsame Erzählen gibt die Möglichkeit, die Protagonistin in verschiedenen Nuancen zu zeigen und zu charakterisieren. Andererseits treibt das die Handlung natürlich wenig voran.

Daher kann ich auch nicht behaupten, dass ich beim Lesen dieses ersten Bandes vor Spannung umgekommen wäre. Wir lernen hier Maggy kennen, ihren Chef und noch ein oder zwei andere wichtige Figuren. Was genau eigentlich los ist in Trondheims London erfahren wir jedoch nicht. Klar, auf 48 Seiten kann man schlecht einen komplexen Untergrund-Krimi erzählen. So richtig gepackt hat mich der Plot allerdings auch (noch) nicht. Aber da Maggy wirklich cool ist, interessiert es mich trotzdem, was ihr noch so passiert.

Immerhin ist Band 2 ja inzwischen schon erschienen und ich werde mir ein Bild davon machen können, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

Ein Zitat

„Ich glaube nicht, dass das im Ehrenkodex der Privatdetektive steht, aber da pfeife ich drauf. 70 Pfund Honorar sind nicht zu verachten. Und dann rauche ich noch eine. Nur noch eine. Danach höre ich wirklich auf.“

Ein Comic für… Krimileser, London-Fans, Freunde unkonventioneller Figuren

Nichts für…  Menschen, die viel Action im Comic brauchen, Drogengegner, Heile-Welt-Liebhaber

Lewis Trondheim und Stéphane Oiry : Maggy Garrisson, Bd.1: Lach doch mal, Maggy! / 48 Seiten / 14,95 EUR / erschienen bei Schreiber&Leser

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