Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte/: „Ms. Marvel, Bd.1: No normal“ von G. Willow Wilson und Adrian Alphona

Während hierzulande seit einigen Jahren über die sogenannte „Überfremdung“ gesprochen wird, hat Marvel im Jahr 2014 (endlich!) die erste muslimische Superheldin auf den Weg gebracht. Drei Jahre später nun versuche ich mal herauszufinden, ob da noch mehr an der Geschichte der jungen Kamala als ihre pakistanischen Wurzeln dran ist.

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Worum geht’s?

Die 16-jährige Kamala Khan, Tochter von pakistanischen Einwanderern, ist ein Riesenfan der Marvel-Superhelden und lebt mit ihrer Familie in Jersey City. Nach einem mysteriösen Nebel-Angriff trifft sie auf ihr Idol Captain Marvel (ehemals Ms. Marvel) und erhält die Superkraft, ihren Körper oder Teile davon vergrößern, schrumpfen oder sonstwie verändern zu können.

In Band 1 geht es vor allem darum, dass Kamala versucht, mit ihrem neuen Körper klarzukommen und gleichzeitig ihr normales Leben mit den strengen Eltern und nervigen Mitschülern zu leben. Außerdem will sie mit ihren neuen Kräften Gutes tun und ihre Bestimmung finden – all das möglichst ohne ihre Eltern zu verärgern.

Wie fühlt sich’s an?

Der erste Band fühlt sich zunächst an wie eine große Metapher auf die Jugend: Eine junge Frau versucht, ihre Rolle im Leben zu finden, ein guter Mensch zu sein und sich von den Eltern abzunabeln. Die sind durch den muslimischen Hintergrund besonders streng und machen ihr durch ihre Sorge das Leben als Superheldin zusätzlich schwer.

Zeichnerisch gefällt mir „Ms. Marvel – No normal“ gut. Oft habe ich bei Superhelden-Comics ja meine Probleme mit den künstlich anmutenden Zeichnungen, den wenig charakteristischen Gesichtern und Orten, die irgendwie alle gleich aussehen… Das ist hier erfreulicherweise nicht der Fall. Alle Figuren haben einzigartige Gesichtszüge, die Settings sind detailliert und haben Atmosphäre. Das hebt den Comic um Kamala Khan aus meiner Sicht von vielen anderen ab.

Die Story ist bisher, wie ich finde, allerdings nicht bahnbrechend neu. Superhelden-Anwärter sind ja häufig junge Außenseiter, die von anderen – warum auch immer – gemobbt werden und dann plötzlich ihre Bestimmung finden.  Man denke nur an Peter Parker aka Spider-Man. In Kamalas Fall ist das Außenseitertum eben durch die Herkunft ihrer Eltern (und ihr Superhelden-Fan-Dasein) bestimmt. Eine zeitgemäße Variation ist das zweifellos. Viel mehr kann ich darin allerdings vorerst nicht erkennen. Das ging anderen durchaus anders – die Bloggerkollegin von heldin-in-strumphose.com etwa, bei der ich die Serie überhaupt erst entdeckt habe, ist absolut begeistert von Kamala Khan.

Ich kann das schon verstehen und bin selbstverständlich sowohl für mehr weibliche Superhelden, als auch für mehr Diversität in der Popkultur. Unter dem Gesichtspunkt fand ich auch die erste afroamerikanische Disney-Prinzessin Tiana aus „Küss den Frosch“ super. Umgehauen haben mich aber weder der Disney-Film, noch dieser Marvel-Comic. Dennoch  nicht auszuschließen, dass ich Band 2 lesen und mich eines Besseren belehren lasse – für den guten Zweck, sozusagen.

Ein Comic für: Superhelden-Fans natürlich, Teenager-Mädchen

Nichts für: Menschen, die auf der Suche nach gänzlich neuen Superhelden-Geschichten sind, „besorgte Bürger“

  • Ms. Marvel – No Normal / G. Willow Wilson und Adrian Alphona / 64 Seiten / SC / USD 15,99 erschienen bei Marvel Now!

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