Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte/: „Unerschrocken“ von Pénélope Bagieu

Das nenne ich mal einen hübsch aufgemachten Comicband! Ein türkisblauer Einband, metallic-rot veredelte Frauenköpfe auf dem Cover und eine Banderole mit den Worten „Feministisch, frei und visionär!“  zieren das 144 Seiten starke Hardcover-Buch. Außen stimmt schon mal alles. Und innen?

Unerschrocken von Pénélope Bagieu

Worum geht`s?

Der Untertitel sagt schon ziemlich genau, was wir hier erwarten dürfen: Kurzbiografien von Frauen, die auf die eine oder andere Art Außergewöhnliches geleistet haben. Bekannte Persönlichkeiten wie die Tänzerin und Schauspielerin Josephine Baker oder die Mumin-Erfinderin Tove Jansson sind ebenso vertreten wie die mir völlig unbekannte australische Schwimmerin Annette Kellerman oder die erste transexuelle Berühmtheit Christine Jorgensen.

Wie fühlt sich’s an?

Dieser Band versammelt eine sehr abwechslungsreiche Mischung beeindruckender Frauen der Vergangenheit und Gegenwart. Sie alle haben die unterschiedlichsten Lebensläufe, sind sich aber in einem Punkt ähnlich: Sie sind stark und haben mit Erfolg gegen harte Widerstände angekämpft, um ihre Ziele zu erreichen.

Dabei sind längst nicht alle vorgestellten Frauen sympathisch, aber Pénélope Bagieu stellt gekonnt die Stärke in den Mittelpunkt, ohne die teilweise charakterlichen Schwächen zu verschweigen. So findet sicher jede Leserin eine Identifikationsfigur und vielleicht sogar Inspiration für ihr eigenes Leben.

Leider sind die Biografien für meinen Geschmack mit drei bis sieben Seiten sehr kurz geraten; einige Male habe ich mir deutlich mehr Informationen gewünscht. Positiv gesehen ist das vermutlich genau die Intention dieses Buches: Es soll Interesse wecken und den Leser animieren, sich weiter über die ein oder andere Frau zu informieren. Bei mir jedenfalls hat das geklappt: Sowohl über Tove Jansson als auch über die drei Schwestern Mirabal, die als „Las Mariposas“ gegen das  Trujillo-Regime in der Dominikanischen Republik gekämpft haben, werde ich definitiv noch mehr in Erfahrung bringen.

Gezeichnet ist der Comic in Pénélope Bagieus typischem, lockerem Stil. Anders als bei ihrer Biografie der Sängerin Cass Elliot („California Dreamin‘“, erschienen bei Carlsen) wirken die Zeichnungen hier aber nicht so krakelig und sind in sehr kräftigen Farben koloriert. Die Figuren stehen immer klar im Vordergrund, es gibt so gut wie keine Hintergründe, dafür aber teilweise sehr viel Text in den Panels. Klar, es muss einiges an Information verarbeitet werden. Nur hätte man aus meiner Sicht die Geschichten auch einfach auf mehr Seiten ausdehnen können, statt sich so vieler Texte zu bedienen.

Besonders gut gefallen mir hingegen die Doppelseiten am Ende jedes Porträts, die ein detailreiches Stimmungsbild/ eine Schlüsselszene aus den vorangegangenen Seiten zeigen. Das ergibt jeweils einen guten Abschluss und ist einfach schön anzusehen.

Kurz gesagt: „Unerschrocken“ ist ein unterhaltsames, informatives und optisch sehr ansprechendes Buch und eine tolle feministische Veröffentlichung, die Lust auf mehr macht.

Ein Comic für: junge Frauen, historisch Interessierte, Bibliophile

Nichts für: Lesefaule, Frauenhasser

 

  •  Unerschrocken – Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen / Pénélope Bagieu / 144 Seiten / HC / 24 Euro / erschienen bei Reprodukt

 

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