Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte/: „Kill or be killed, Volume 1“ von Ed Brubaker, Sean Phillips und Elizabeth Breitweiser

Lasst euch nicht von Titel und Cover täuschen: In „Kill or be killed“ muss der Protagonist Dylan zwar tatsächlich schlechte Menschen töten. Er ist aber alles andere als ein eiskalter Mörder ohne Skrupel, sondern ein gewöhnlicher Student voller Selbstzweifel und depressiver Momente. Und das mit dem Töten ist nicht halb so leicht, wie es sich anhört.

Kill or be Killed, Band 1

Worum geht’s?

Dylan studiert an der NYU und ist mit 28 der Älteste in seinem Jahrgang. Sein Leben läuft nicht nach Plan, er ist in seine beste Freundin verliebt, die allerdings seit kurzem mit seinem Mitbewohner zusammen ist.  Nach einem gescheiterten Suizidversuch wird Dylan von einem Dämon heimgesucht, der ihm befiehlt, schlechte Menschen zu töten. Die Strafe, falls er es nicht tut: sein eigener Tod.

Wie fühlt sich’s an?

„Kill or be killed“ beinhaltet eine Mischung aus Crime und Mystery, die mir erstaunlich gut gefällt. Anhand des Covers hatte ich befürchtet, dass es mir viel zu martialisch und plump sein würde, doch das ist dank des großartigen Protagonisten nicht der Fall. Dylan ist absolut nicht fehlerfrei, ich schwankte beim Lesen zwischen Sympathie, Mitleid und Kopfschütteln über sein Verhalten. Allerdings weiß er selbst, dass er manche Dinge echt versaut und wirkt dadurch menschlich, fernab von Superhelden und überschlauen Agenten.

Er hat es aber auch nicht leicht, denn die Fragen, die er sich stellen muss, sind existentiell: Wer ist „gut“, wer „böse“? Gibt es Menschen, die verdient haben zu sterben? Und woran erkennt man das? Zusätzlich belasten ihn die immer komplizierter werdende Beziehung zu seiner besten Freundin und die Zweifel an seinem Verstand, denn dass ihm ein Dämon erscheint, kommt Dylan alles andere als normal vor.

Sean Phillips und Elizabeth Breitweiser haben Dylans Stimmung in kühlen Farben und düsteren, sehr atmosphärischen Zeichnungen umgesetzt. Das New York, das einem hier begegnet, ist so kalt und freudlos wie Dylan selbst. Es gibt verschwommene Traumsequenzen, verpixelte Nahaufnahmen und glasklare Erinnerungsbilder, die sofort als solche zu erkennen sind. Außerdem führt Dylan den Leser zum Teil seitenweise als Erzähler durch die Geschichte, sodass es in den Panels überhaupt keine Dialoge gibt. Das alles macht diesen Comicband zu einer abwechslungsreichen und interessanten Lektüre.

Alles in allem bietet „Kill or be killed“ einen Protagonisten, mit dem man sich identifizieren kann, spannende Themen, gebrochene Herzen, ein bisschen Grusel, ein bisschen mehr Blut und eine mitreißende Erzählperspektive – ein gelungener erster Band also!

Ein Comic für… Krimi-Fans, Mystery-Liebhaber, Comicleser, die eine ungewöhnliche Erzählform suchen

Nichts für: Menschen, die kein Blut sehen können

  • Kill or be killed, Volume 1 / Ed Brubaker, Sean Phillips, Elizabeth Breitweiser / 144 Seiten / SC / USD 9,99 / erschienen bei Image Comics

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