Allgemein · Ans Eingemachte (Rezensionen)

/Ans Eingemachte Spezial, 70 Jahre Onkel Dagobert/: „Dagobert Duck – Sein Leben, seine Milliarden“

Wenn der reichste Erpel der Welt Geburtstag feiert, werde ich das selbstverständlich nicht ignorieren! Weihnachten 1947 tauchte Dagobert Duck zum ersten Mal in einem Disney-Comic auf – das macht 70 Jahre mit dem liebenswerten alten Geizkragen. Und gibt den perfekten Anlass, sich seine preisgekrönte Biografie von Don Rosa genauer anzusehen.

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Worum geht’s?

Bevor ich ein Wort zu dieser Comic-Biografie (selten hat das Wort auf allen Ebenen so gut gepasst!) schreiben kann, muss ich einfach darauf hinweisen, dass man den allerersten Dagobert-Comic auf bild.de nachlesen kann. Und obwohl sein englischer Name Scrooge McDuck in der Übersetzung nicht übernommen wurde, kann man kaum darüber hinwegsehen, dass der griesgrämige Onkel eine von Charles Dickens‘ Ebenezer Scrooge inspirierte Figur ist, oder? Sehr weihnachtlich!

Ich würde behaupten, der Großteil der deutschen Bevölkerung hat schon mal von Dagobert Duck gehört oder sogar einen Comic mit ihm gelesen. „Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden“ hat allerdings wenig mit den meisten modernen Geschichten aus den Lustigen Taschenbüchern zu tun.

Dieses Buch (in der Auflage von 2017 – es wurde immer wieder durch neue Seiten ergänzt) erzählt die Lebensgeschichte Onkel Dagoberts in zwölf mindestens 15-seitigen Kapiteln sowie acht Zusatzkapiteln. Es ist gespickt mit wahren Ereignissen (Goldrausch in Transvaal, die Erfindung des Teddy-Bärs, die Viehtriebe in Amerikas Wilden Westen) und echten historischen Personen (inklusive eines amerikanischen Präsidenten!). Doch am wichtigsten für Don Rosa: Alle Lebensstationen basieren auf Ideen des Dagobert-Erfinders Carl Barks. In Erklärtexten am Ende jedes Kapitels zählt Don Rosa jeweils alle Bezüge zu Barks-Andeutungen auf und schreibt von seinen historischen Recherchen für das Buch.

Wie fühlt sich’s an?

In einem der ersten dieser Texte warnt Rosa davor, dass seine detaillierten Erklärungen möglicherweise langweilig werden könnten. Das war bei mir gelegentlich, aber doch erstaunlich selten der Fall. Viel zu schnell konnte ich mich für diesen ausgesprochenen Nerd-Kram begeistern. Mir gefällt auch die Akribie, mit der Don Rosa sowohl geschichtliche als auch Barksche Details aufgespürt und verarbeitet hat. Außerdem macht es sein humorvoller, selbstironischer Schreibstil auch leicht, selbst die leicht angestaubten Fakten zu lesen.

Aber zu den Comics: Es gibt wie erwähnt zwölf „echte“ Kapitel und acht Bonuskapitel, die entweder zu einem anderen Zeitpunkt entstanden oder thematisch/stilistisch/erzählerisch nicht in den biografischen Teil gepasst haben. Der biografische Teil umfasst zum einen die Familiengeschichte der Ducks – immer mit Fokus auf Dagobert, natürlich, zum anderen beinhaltet er die zahlreichen Abenteuer, die ihn im Laufe seines Lebens auf der Suche nach Reichtum geführt haben. Die zeitlos gültige und stets wichtige Message: Der wahre Reichtum ist das Leben selbst.  Oder, wie Dagobert es ausdrückt:

Jede Münze hat ihre eigene Geschichte, jede erzählt von einem erhabenen Moment des Triumphs. Seufz!

Wer übrigens immer dachte, die Entenhausen-Comics seien nur was für Männer, dem möchte ich diesen Band, besonders das Zusatzkapitel 10B ans Herz legen. Hier fordert Dagoberts temperamentvolle Schwester Dortel (die später die Wutente Donald gebären wird) im Jahr 1906 vom amerikanischen Präsidenten das Frauenwahlrecht – GROßARTIG!

Spätestens an dieser Stelle ist klar, dass ich mich den begeisterten Stimmen, der Eisner-Award-Jury, den Donaldisten, die Don Rosa für dieses Buch zum Ehrenmitglied machen, anschließen muss:

„Sein Leben, seine Milliarden“ ist ein spannender, detailverliebter, witziger Comic und eine würdige Biografie für eine bedeutende Persönlichkeit wie Dagobert Duck!

 

Ein Comic für: jeden, der Disney-Comics mag, Biografie-Leser, historisch Interessierte

Nichts für: Menschen mit Angst vor dicken Büchern, Fließtext-Verächter

  • Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden / Don Rosa / 496 Seiten / HC / EUR 29,95 / erschienen bei Egmont Comic Collection

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